21. Februar 2017. X100F gekauft.
Am 24. Februar 2017 wurde mir das Lieferdatum genannt.
Am 28. Februar 2017 traf sie wie versprochen bei mir ein.
Die Brennweiten-Frage
… stellt sich bei der X100F nur einmal. Beim Kauf. Ab dann ist man von jedem Gedanken an ein besser passendes Glas befreit. Es gibt nur eins. Das auf der Kamera. Rausgehen und fotografieren. Mit dem was man hat. Klingt eingeschränkt? Ist eingeschränkt. Dennoch ist das nur die halbe Wahrheit. Ich empfinde es als Befreiung. Fotografie als Minimalismus.
Stimmt. Meine fotografische Flexibilität ist kleiner geworden. 17mm? Höchstens als JPEG-Panorama. 300mm? Ich geh’ dann mal ein Stück. Das Ergebnis wird anders sein. Passt aber. Genau da wollte ich hin. Oft sogar wörtlich, denn ich bin meinen Motiven gern nah.
In Zukunft ziehe ich eben nicht mehr das 300er für meine EOS 6D aus der Tasche. Oder das 17-40er. Ich laufe und sehe dann anders. Keine Fragen mehr nach dem Gewicht, das oft über große Distanzen bewegt werden musste. Ab sofort sind es knapp unter 500 Gramm. Das hat was. Leichtigkeit. Erstaunen. Freude.
Die Blickwinkel-Frage
Kameras mit Wechselobjektiven sind flexibel. Man kann kleine Dinge groß zeigen und man bekommt Motive auf ein Foto, für die wir in der realen Welt den Kopf bewegen müssen. Und während wir das tun, sehen wir immer nur einen Ausschnitt.
Mit einem Weitwinkel-Objektiv bekommt man zwar viel mehr auf’s Bild, aber was wir z. B. mit 17mm aufnehmen ist (in der Regel) auch weiter weg. In der visuellen Realität unseres Lebens schauen wir nicht so breit. Wir schauen Dinge an, die näher sind. Weil wir sie gut erkennen können. Sonst über sie stolpern, oder von ihnen überfahren werden. Kurz gesagt: Je weiter etwas von uns entfernt ist, desto mehr verliert es an Relevanz.
Ob das womöglich auch in der Fotografie gilt? Werden Bilder schlechter, je weiter wir uns vom Motiv entfernen, oder ist „das große Ganze“ für sich genommen auch ein Motiv – auch wenn man kaum noch Einzelheiten erkennen kann?
Während mehrerer England-Reisen
… hatte ich ausschließlich die X100F dabei. Für mich hat das sehr gut funktioniert. Die Kamera ist leicht und stört nicht, wenn man auf Berge wandert. Gerade in Peak District war ich oft lange zu Fuß unterwegs. Auf dem Hinweg hätte mich schweres Gerät noch nicht gestört. Auf dem Rückweg sah das anders aus. Das gilt gleichermaßen für meine ehemalige Heimat Hamburg (Stadtansichten), in St. Peter-Ording (sehr weitläufige Strand-Landschaft mit Pfahlbauten), auf Teneriffa im Teide Nationalpark (bizarre Vulkanlandschaft). Überall hat die kleine Japanerin überzeugende Resultate geliefert.
Die Einschränkungen der festen Brennweite sind mir immer bewusst. Das ändert nur nichts. Es ist im Gegenteil so, dass ich diese Tatsache immer weniger als Begrenzung wahrnehme – weil es mir zunehmend gelingt, in 35mm zu sehen. Mehr geht nicht. Weniger auch nicht. Aber zu Fuß. Das geht. Das ist einer der Gründe dafür, warum die X100F meine „Herangehensweise“ in der Fotografie immer mehr verändert.
Sie bringt mich auf das Wesentliche. Aber nicht zurück. Ich war nie beim Wesentlichen. Mit meinen vorigen Kameras konnte ich immer Zoomen oder Objektive wechseln. Das verschob die Prioritäten. Weg vom Gefühl dafür, wie man ein Motiv in Szene setzt, hin zu der Frage, welches Glas man für ein bestimmtes Motiv braucht. Aus einer emotionalen wurde eine technische Frage.
Die feste 35mm-Brennweite ist Minimalismus pur. Ich konzentriere mich ganz anders auf Motive. Mehr im Sinne von Abständen. Von Blickwinkeln. Von Intensität.
Wenn ich ein Motiv einfangen möchte, versuche ich einen möglichst besonderen Blickwinkel zu finden. Dazu muss man sich der Umgebung bewusst werden – und was das Motiv ist. Warum will ich es aufnehmen? Ist es das Licht? Die Umgebung?
Wenn die Antworten gefunden sind und ich immer noch fotografieren möchte, stellen sich die nächsten Fragen. Woher kommt das Licht? Was befindet sich hinter meinem Motiv? Hab ich einen besonderen Vordergrund? Gibt es führende Linien?
Stimmt, so könnte man auch mit einer DSLR und einem großen Objektiv-Park in die Welt schauen. Bei mir hat es immer nur dazu geführt, dass ich mir mehr Gedanken um das passende Glas als um das Motiv gemacht habe.
Der Sucher
Die X100F hat mir eines sofort klar gemacht: Ich möchte nur noch mit elektronischem Sucher fotografieren. Weil ich immer ein perfekt belichtetes Bild bekomme.
Ich bin glücklich mit der X100F. Der Kauf war die beste fotografische Entscheidung, die ich bislang getroffen habe. Klar ist dass mich kein Weg zu einer Spiegelreflex-Kamera zurückbringen wird. Ich will im Sucher sehen, was ich bekomme. Und das geht nur mit der elektronischen Version.
Meinung
Die X100F war für mich nicht nur die wichtigste Kamera, sondern zugleich ein fotografischer Reset. Alles auf Anfang. Blickwinkel. Gucken. Herangehensweisen.
Nach einiger Zeit hatte ich mich auf 35mm „eingesehen“ – und fand immer leichter Motive, die für die Brennweite (und meinen gewählten Abstand) gut gepasst haben. Ich erinnere mich gern an die F. Weil sie mir sehr viel gegeben hat. Für mich war es die fotografisch inspirierendste Zeit. Ob ich seither besser fotografiere? Definitiv anders. Bewusster. Genauer. Konzentrierter. Danke Fujifilm. Für diese Kamera.
Kamera-Status
Die X100F ist verkauft. 1.462 Bilder habe ich behalten. 4 haben in Lightroom 4 oder 5 Sterne erhalten.
Meine beste Auswahl aus der Kamera.


























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