Reeperbahn

Für mich war die „sündige Meile“ immer viel mehr als Erotik und Luden. Allein die Leuchtreklame erzeugt bei mir multiple fotografische Orgasmen. Und das Beste: Für solcherart ungeschützten Sex brauche ich lediglich meine Kamera und einen Satz Objektive (damit ich nicht nur „länger“, sondern auch „breiter“ kann).

Wer heute Reeperbahn sagt, denkt oft auch an die „Große Freiheit, das Schmidts Tivoli oder den Hans-Albers-Platz. Dem einen oder anderen Mann fällt womöglich auch die Herbertstraße ein. Hier sind Frauen, die nicht zum Geschäft gehören, allerdings unerwünscht – was (wenn nötig) mit drastischen Mitteln durchgesetzt wird.

Wo Reeperbahn draufsteht, darf Udo Lindenberg offenbar nicht fehlen, denn er ist der bislang einzige Künstler, der hier – nach dem Muster des „Walk of Fame“ in Los Angeles – mit einem Stern verewigt wurde.

Inzwischen hat auch die Reeperbahn „tanzende Türme“ im Programm. Die erinnern mit ihrer Schrägheit an die erheblich größeren Versionen in Las Vegas. Zusammen mit der Hafenkrone (Atlantic Haus, Astra Turm, Empire Riverside Hotel) erzeugen diese Gebäude einen völlig neuen Akzent neben den Altbauten.

Wenn das Rotlichtviertel irgendwann komplett verdrängt wurde, wird man an den ehemaligen „Standorten“ vermutlich stilisierte Alu-Kunstwerke wie auf dem Beatles-Platz aufstellen, um so an die Prostituierten von damals zu erinnern. Ich bin sicher, dass solche Kunstwerke mindestens genauso viele Besucher aus aller Welt anlocken werden, wie es dem „horizontalen Gewerbe“ gelungen ist.

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