Fujifilm X100V

27. September 2020. X100V gekauft.

Der Warenkorb enthielt auch noch eine 128 GB Speicherkarte, einen zweiten Akku (original Fujifilm) und einen Kameragurt.

Ich mag die X100V sehr. Sie wird wie ein rohes Ei behandelt. Diesbezüglich beneide ich alle Fotografen, die sich nicht an Kratzern und Beulen auf ihrem Equipment stören. Ist dann einfacher. Genau dieses Thema (Kratzer und Beulen) ist der Grund dafür, warum ich die kleine Fuji nicht im Job einsetzen möchte. Zu gefährlich. Das Kratzer- und Beulen-Potenzial ist da zu hoch.

Vor dem Lob die Schlacht

Der Anlass für diese Zeilen ist das Firmware-Update 2.00. Das bot für meinen Geschmack wenig Anlass zur Freude. Ich beginne aber auch deshalb mit diesem Thema, weil es das dann war. Sonst ist alles gut. Nach wie vor. Wie zuvor. 

Es begann mit einer Enttäuschung …

Die Filmsimulation Bleach Bypass ist kein Bestandteil des Updates. Was dagegen sprach? Weiß ich nicht. Marketing? Die Kamera war zu billig? Aus Kaizen wurde geizen?

Das Thema beschäftigt mich derart, dass ich neuerdings schon Stimmen höre. Genau genommen eine. In meiner Vorstellung kommt sie direkt aus dem Fujifilm-Hauptquartier in Tokio. Sie spricht im Tonfall eines Samurai …

„Oi,-ji no X100 no tame ni honkaku-teki ni okane o tame hajimero!“ 

(Alda, fang‘ schon mal an, ordentlich Asche für die nächste X100 beiseite zu legen!)

Es ist nicht nur die Tatsache, dass die V kein Bleach Bypass bekommen hat. Mich nervt auch, was stattdessen geliefert wurde. Features, die zumindest ich weder vermisst, noch gewollt habe.

Video

Über Video (in der X100V) könnte man diskutieren. Mein Standpunkt: Ich glaube nicht, dass irgendwer eine X100V zum Filmen kauft. Ich vermute zudem, dass nur wenige Fotografen Video in dieser Kamera verwenden. Egal. Der Zug ist abgefahren. Nimmerwiedersehen. Winke winke. Längst.

Video ist dabei. Und der ND-Filter kann jetzt auch genutzt werden. Das Firmware-Update macht die Sache rund. Rund im Sinne von vollständig. Nicht im Sinne von schön. Für mich wäre die X100V ohne Video erheblich runder. Scharfes Profil und so. Nur Fotografie-Menüpunkte. Keine anderen. Auch nicht versteckt.

Webcam

Die X100V als Webcam? Echt jetzt? Fujifilm: Kann es sein, dass ihr den Fokus verloren habt? Die X100V sollte ein Fotoapparat sein. Nur ein Fotoapparat. Für Puristen. Gern ohne Video. Definitiv ohne Webcam-Funktion. Noch mal: Warum muss eine solche Kamera alles können? Warum reicht nicht Fotografie?

Digga, ignorier’ das doch!

Geht nicht. Es ist nicht egal, dass die Kamera das jetzt hat. Weil ich nun weiß, dass die Kamera das jetzt hat. Und schon ist sie da: Die juckende Stelle. Die, die ich nicht kratzen kann. Ignorieren? Is’ nicht. Nur aushalten. Und Ersatzbefriedigung. Schokolade und so. Salzgebäck. Im Wechsel. Schokolade. Salzgebäck. Schokolade … Alles wegen der Webcam. 

Was mir auch nicht gefällt, sind die Knöpfe auf der Kamera-Rückseite. Da hätte ich gern einen „knackigeren“ Druckpunkt.

Meine Definition von Premium?

Premium ist nicht, wenn man einem Gerät jede Funktion unterjubelt, die mit der Hardware machbar ist. Premium ist Fokussierung auf das Wesentliche. Die erste Frage muss lauten: Was wollen wir verkaufen? Kühlschrank, E-Gitarre, Fotoapparat? Oder doch lieber Rasierer, Videokamera, Staubsauger? Die Entscheidung ist getroffen? Gut. Dann machen. Nicht mischen!

Fujifilm: Welche Pläne habt ihr noch mit der X100V? 

Instagram-Anbindung? Taschenlampe? Motivklingel? Oder sollen es drei frische Farbtöne für die Akkus der Kamera sein?

Vertraut

Die X100V ist vertrautes Terrain. Als wenn sie über die Zeit in meiner Jackentasche gesteckt und dort auf ihren Einsatz gewartet hätte. Ich ziehe sie „wie gestern“ heraus und bin beinahe überrascht. Da steht nicht mehr F. Da steht jetzt V. Passt aber! 

V wie verbessert.
V wie Vorfreude.
V wie vielseitig.

Das Design

… der X100V hat Klasse. Gut, dass Fujifilm dranbleibt. Die Sache weiter entwickelt. Keine Patina aufkommen lässt.

Wofür

In meiner Fotografie geht es um meinen Job. Meine Buchprojekte. Meine Familie. Städte und Landschaften. Wenn ich ohne bestimmtes Ziel fotografiere, nutze ich die X100V. Weil die Fotografie damit anders ist. Ich verwende die kleine Fuji konzentriert und in Ruhe. Dieses Gefühl möchte ich mir exklusiv für diese Kamera erhalten. 

Die X100V punktet mit ihren Einschränkungen. Mit ihren Farben. Mit ihrer Bedienung. Bevor ich fokussiere, fokussiert sie mich. Mit ihrer festen Brennweite. Dem Hybrid-Sucher. Blendenring.

In Lightroom 

… zeigen Bilder aus der X100V beinahe sofort schöne Farben. Alles ist stimmig. Nicht zu bunt, aber trotzdem „farbenfroh“. Gerade in diesem Bereich ist Fujifilm besonders stark.

Antworten auf nicht gestellte Fragen

Mit der X100V haben sich für mich unerwartete Erkenntnisse ergeben. Die wichtigste? Ich bin keiner, der auf eine möglichst umfangreiche Ausstattung achtet. Im Gegenteil: Mir ist wichtiger, dass ein Gerät den richtigen Funktionsumfang bietet. Den, für den es gemacht wurde. Überspitzt formuliert: Ein Rasenmäher soll nicht auch noch fliegen können.

Warum muss heute jeder Fotoapparat Video haben? Wozu eine Webcam, wenn in jedem Telefon, in jedem Tablett und nahezu jedem Computer-Display eine Kamera steckt? 

Gruppenzwang unter den Herstellern? Meine Ausstattungsliste ist viel länger als deine? Wie wäre es mit Mut zur Lücke? (Mentale) Größe durch Minimalismus. Besinnung auf die Kernkompetenzen.

Conversion Lenses

Wer sich für seine X100-Kamera mehr Flexibilität wünscht, findet in den „Conversion Lenses“ eine potenzielle Lösung. Zur Verfügung stehen zwei Modelle. 

  • Die TCL-Version macht aus der integrierten 35mm Brennweite 50mm (alles auf Kleinbild gerechnet). 
  • Die WCL-Version verbreitert den Blickwinkel auf 28mm. 

Das WCL habe ich im November 2020 bestellt. Das TCL war schon vorhanden. Der Unterschied in Länge und Breite ist sehr gering. 2 bis 3 Schritte nach vorne oder hinten sollten ein vergleichbares Ergebnis erzeugen.

Alle Wetter?

Beide „Conversion Lenses“ bieten laut Fujifilm Service-Team keine Wetterfestigkeit!

Staubflecken

Im Prinzip ist Sensorstaub bei einer X100-Kamera kein Thema. Verwendet man aber ein WCL / TCL, sollte man darauf achten, dass zwischen den zusammengeschraubten Gläsern kein Staub vorhanden ist. Ansonsten findet man bei Aufnahmen mit weit geschlossener Blende doch wieder Flecken auf den Bildern.

Wetter-Kit

Das „Wetter-Kit“ habe ich am 8. Februar 2021 bestellt. Am 1. April 2021 erhielt ich die Nachricht, dass die Ware eingetroffen ist. Abgeholt habe ich es am 14. Es war ein sachlicher Kauf. Das Herz hat nicht geklopft. Höchstens geblutet. Wegen des Geldes.

Angesichts der langen Lieferzeit gehe ich davon aus, dass das Produkt exklusiv für mich gefertigt wurde. Bei Fujifilm hat vermutlich niemand damit gerechnet, dass jemand so viel Schotter (99 Euro!) für einen Adapter-Ring und einen Protector-Filter hinlegen würde.

Regenfotografie

Eigentlich gehe ich bei Regen nicht vor die Tür. Das änderte sich am 14. Oktober 2020. Da hatte ich einen beruflichen Termin, der sich nicht verschieben ließ. An dem Tag habe ich bei teilweise intensivem Regen mit meiner damaligen Sony a7R III fotografiert. Am Ende eines langen Arbeitstages war ich klatschnass, aber begeistert. 

Zuvor hätte ich immer geschworen, dass man unter solchen Bedingungen keine schönen Bilder machen kann. Das sehe ich nun anders. Das Thema möchte ich weiter verfolgen. Mit der X100V und dem Wetter-Kit. Ich warte nun auf Regen. Dann geht’s los. Dann zeige ich Bilder. 

Einige Monate später …

Ich gestehe! Chancen gab es reichlich. Sogar richtig gute. Da hat es wie aus Eimern geschüttet. Ich stand dann am Fenster und sinnierte über die wirklich gute Gelegenheit. Das perfekte Wetter. Für dieses Kapitel. Einfach rausgehen. Mit Badehose. Und Kamera. Ist halt nicht passiert. 

Nein sagen wird in Zukunft noch schwieriger. Meine Frau schenkte mir eine wasserdichte Regenjacke. Nun warte ich auf die nächste Gelegenheit. Die 99-Euro-Investition soll ja gerechtfertigt sein. Muss. Besser gestern als heute. Unbedingt.

Realitäten

Es hat reichlich gedauert, zu dieser Selbsterkenntnis zu gelangen (schon die zweite in Zusammenhang mit einer X100-Kamera), aber ich fotografiere nur dann bei Regen, wenn es nicht anders geht. Privat geht es immer anders. Dann gucke ich aus dem Fenster. Sonst nichts. Je doller, desto drinnen. Nicht nass werden. Trocken bleiben. 

Mein persönliches Fazit fällt wie bei den Conversion-Lenses aus. Ich hätte das mit dem Wetter-Kit lassen sollen.

Gebrauchtpreise

Ein Freund wies mich darauf hin, dass es für seine X100F noch sehr gutes Geld von einer Ankauf-Plattform gibt. Der Neugierde halber habe ich geguckt, was für meine X100V gezahlt wird. Am 6. April 2022 waren das sagenhafte 1.229,99 Euro. Für ein neuwertiges Gehäuse. Komplettes Zubehör vorhanden. Inklusive Original-Karton. Ich habe sie am 26. April 2022 verkauft.

Die X100V hat mich knapp 2 Jahre fotografisch begleitet. Gekauft habe ich sie für 1.399 Euro. Der aktuelle „Wertverlust“ liegt somit bei gerade mal 169,01 Euro. Das ist krass.

Wenig später wäre es sogar noch erheblich krasser gegangen. Da lagen die Verkaufspreise bereits weit über dem Neupreis. TikTok hat da einiges bewegt. Für Fujifilm ist das optimal gelaufen.

Meinung

Die V ist fraglos besser als die F. Sie hat bei mir nur nicht mehr denselben fotografischen Impact erzeugt. Vermutlich hatte ich mir genau das erhofft. Ist halt nicht passiert. Inzwischen wurde mir auch klar, warum das so ist. Weil das nur beim ersten Mal klappt.

Warum Fujifilm?

Wie belichten?

Kamera-Status

Die X100V ist verkauft. 225 Bilder habe ich behalten. 4 haben in Lightroom 4 Sterne erhalten.

Meine beste Auswahl aus der Kamera

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