Architektonisch – und auf den ersten Blick – zeigt sich Islands Hauptstadt Reykjavik wie eine Mischung aus alten DDR-Bauten und teilweise sehr modernen Glasfassaden-Gebäuden. Am ersten Island-Tag haben wir uns Reykjavik angesehen. Und die Hallgrímskirkja. Einen Tag später machen wir uns auf den Weg …
Die Stadt liegt hinter uns. Rund 30 Kilometern später durchfahren wir eine faszinierende Vulkanlandschaft.











Irgendwann stehen wir vor einem Schild, das vor heißen Quellen und Eruptionen warnt. OK … Den Weg hätten wir so oder so ganz sicher nicht verlassen!
Krýsuvík
Das Vulkansystem an diesem Ort heißt Krýsuvík und ist als „Geothermal Area“ gekennzeichnet. Innerhalb dieses (aktiven!) Vulkansystems liegt das Hochtemperatur-Gebiet Seltún. Es riecht intensiv nach Schwefel. Rauchschwaden ziehen über das Gelände. Seltún ist mittels Holzbohlenweg und einer kleinen Aussichtsplattform für Besucher erschlossen.




Anfang der 90er wurde die Wärme in diesem Bereich zur Energiegewinnung für die Stadt Hafnarfjörður genutzt. Es stellte sich heraus, dass das keine gute Idee war, denn der ortsansässige Vulkan legte sein Veto ein. Mittels einer zaghaften Explosion schickte er die Anlage auf dem direktem Weg zur Hölle.
Lebensmüde Hoffnungsvoll optimistisch, dass heute keine Explosionen auf der vulkanischen To-Do-Liste stehen, nehmen wir den vorgegebenen Weg und schauen uns blubbernde, heiße Quellen und andere Manifestationen großer Hitze und schwefeliger Absonderungen an. Angst? Nun, vielleicht nicht Angst, aber ich empfand durchaus eine Art „unbehaglichen Respekt“.
Unterweg zum nächsten Ziel. Da boten sich immer wieder interessante Ansichten.






Mýrdalsjökull
Der Tag begann bei strömendem Regen, klarte aber etwas auf. Meine Motive? Diverse Gletscher, die eine intensive Arktis-Atmosphäre erzeugen. Inklusive passendem Himmel. Die derzeit schlafende Vorhut einer zukünftigen Eiszeit.
Meine ersten Aufnahmen sind bei recht „unerfreulichem“ Wetter entstanden. Düster würde es ganz gut treffen. Und nass. Einige Stunden später hätte es allerdings kaum besser sein können. Bis dahin hatte ich am Mýrdalsjökull allerdings schon viele Aufnahmen gemacht. Alle im Nieselregen-Look.















Um vom Mýrdalsjökull- zum Vatnajökull-Gletscher zu kommen, galt es erstmal rund 200 Kilometer zurückzulegen.














Fjallsárlón-Gletschersee
Weiter ging es am Fjallsárlón-Gletschersee. Dieser präsentierte sich völlig anders als das Pendant zuvor. Das lag vor allem an den hier besser sichtbaren Dimensionen des eigentlichen Gletschers Vatnajökull, dem umliegenden Gebirge und den an diesem Tag dramatischen Wolken. Gerade über letztere war ich ziemlich froh, denn die haben für eindrucksollere Ansichten gesorgt, als es ein wolkenloser Himmel vermocht hätte.






Bevor es zum unausgesprochenen Hauptziel der ganzen Island-Reise ging, haben wir wenige Meter vorher noch eine kleine Ausfahrt genommen. Direkt vor der Brücke. Rechts runter, auf den schwarzen Lavasand. Die Brücke führt über genau den Kanal, der vom Jökulsárlón-Gletschersee ins Meer geht. An dieser Stelle des Meeres stranden immer wieder wunderschöne Eisblöcke.

Unter uns: Fotografen finden das besser als Weihnachten. Allein hier könnte ich mich – ausreichend geladene Akkus und genug Speicherkarten anbei – sehr lange aufhalten. Bis ich jedes Wetter und jedes Licht mit ausreichend vielen unterschiedlichen Eisblöcken eingefangen habe. Wochenlang. Ich will sie alle! Und wenn ich zufrieden bin, gehe ich auf die andere Seite des Kanals. Dann dasselbe Spiel.
Zurück auf die Straße, über die Brücke und gleich danach links runter auf auf den Parkplatz.
Der Jökulsárlón-Gletschersee
Im Hintergrund die „Quelle“ für all das Eis: Der Vatnajökull-Gletscher. Gigantisch. Bis zum Horizont. Ich schaue nur kurz dorthin. Mit einem Auge. Meine Aufmerksamkeit hat sich längst auf unzählige „kalte“ Motive gerichtet.
Die folgenden Bilder zeigen menschenleere Szenen. Mit der Realität vor Ort hat das nichts zu tun. Überall stand ich inmitten fotografierender Besucher. Oft (wie ich) mit schwerem Equipment und Stativ bewaffnet.
Die Zufahrt lässt Würstchenbuden, einen großen Parkplatz (fast voll besetzt), eine Gletscherbesichtigung per Boot, und ein Klohaus erkennen. WLAN gibt es hier auch. Was zur absoluten Vollständigkeit fehlte? Das Riesenrad und eine Bühne mit Live-Musik. Einsamkeit vor schwimmenden Eisbergen? Fehlanzeige! Es ist ein Volksfest. Für Fotografen. Jeden Tag.














Auf dem Weg zum Jökulsárlón-Gletschersee sind wir wegen des intensiven Regens am Strand von Reynisfjara (vor Vik) vorbeigefahren. Jetzt sind wir da. Auf dem Rückweg. Schade. Sehr schlechtes Licht über schwarzem Sand. Kein Bild hat diesen Tag überlebt.
Eine gewaltige Brandung hält mich davon ab, all zu nahe ans Wasser zu gehen. Angeblich ist das hier einer der 10 schönsten Strände der Welt. Nur zum Anschauen, denn wegen der Wellen gibt es immer wieder Tote. Ich bin tatsächlich beeindruckt. Allerdings auch von der Zahl der anwesenden Fotografen.
Gefühlt bin ich einer unter Tausend. Die Minute. Es ist ein ununterbrochenes Kommen und Gehen. Canon, Nikon, Olympus, Sony. Mit Stativ. Ohne Stativ. Mit Kameratasche. Ohne Kameratasche.
Hier (an diesem Tag) ein Bild ohne Menschen? Never. Unmöglich. Keine Chance. Es sei denn, man nimmt einen Miniausschnitt, oder die rechte Seite des Strandes. Vielleicht hätte ich doch den Regentag nehmen sollen. Da wären die Chancen deutlich besser gewesen. Allein fotografieren und so. Hätte nur die Kamera nicht überlebt …
Das hier ist ein wirklich fantastischer Ort. Schade, dass man ihn nicht für sich allein haben kann. Heute nicht und nie. Jeden Tag werden weitere Fotografen kommen. Mit denselben Hoffnungen wie ich. Wie mein Hintermann und wie die des Typen vor mir und vor ihm. Die meisten zeigen ernste Gesichter. Gedankenverloren. Meine Vermutung: Jeder wünscht sich diesen Ort ohne alle anderen. So wie ich.
Mir gefällt nicht nur die Landschaft. Es ist auch die besondere Ausstrahlung. Und der schwarze Lavasand. Bis zum Horizont. Geschliffen in womöglich tausenden von Jahren unter einer immer währenden Meeresbrandung. Ein zeitloser Ort. Menschen werden hier nur einen Wimpernschlag der Erdgeschichte zugegen sein. Wenn überhaupt.
Am späten Nachmittag erreichen wir unsere nächste Unterkunft. Sehr ruhig gelegen. Draußen haben wir in heißem „Vulkanwasser“ gebadet. Im „Hot Pot“. Den leichten Regen und den kalten Wind haben wir in bester Stimmung hingenommen.
Von unten strömte durchgängig sehr „warmes“ Wasser nach. Gefühlt hatte ich einen grenzwertig erhitzen Po und einen reichlich kühlen Kopf. Hat Spaß gemacht! Anschließend gab es vor dem Panoramafenster im ersten Stock gebratenen Lachs. Den habe ich mit Heißhunger verschlungen.
Wir sind früh auf den Beinen und setzen uns sogleich an den einzigen Tisch vor „unserem“ Panoramafenster für das Frühstück. Der erste Konkurrent kam über 30 Minuten zu spät. Sein Ärger wehte fühlbar zu mir rüber. Vor uns ging die Sonne auf.
Gullfoss
Rund zwei Stunden später waren wir wieder unterwegs. Das Ziel? Ein Wasserfall. G wie gigantisch. G wie geil. G wie Gullfoss.
Auch hier ist man nicht allein. Wieder treffe ich vorwiegend auf Fotografen. Viele mit offensichtlich hohem Anspruch. Stative. Vorgesetzte Filter. Große Kamerabodys und noch wesentlich größere Objektive. Es ist bewölkt und Tageslicht. Mithin eine Lichtsituation, der ich „wenig“ abgewinnen kann. So wenig, dass ich kein Bild habe.
Þingvellir-Nationalpark
Der nächste Tag stellt sich als Regenmorgen vor. Die Scheibenwischer arbeiten im Akkord. Links. Rechts. Links. Rechts. Links. Rechts …
Die Wassermassen kommen aus einer gefühlten Höhe von 2,20 Metern und ergießen sich über die Landschaft. Bis zum Horizont. Unser Ziel? Der Þingvellir-Nationalpark. Rund 40 Kilometer von Reykjavik. Wieder bin ich verwundert, wie gleichartig sich bestimmte Landstriche präsentieren. In diesem Fall sind es zahllose kleine und große Schluchten, die oft auf einer Länge von mehreren Hundert Metern in nahezu gerader Linie das Land durchziehen. Aufgerissene Wunden im Erdreich. Oft mit einer blockartigen, felsigen Kante.
Diese Risse entstehen, weil sich hier tatsächlich Land voneinander fortbewegt. In diesem Fall die amerikanische und die europäische Platte. Bye, bye Amerika!
Der Þingvellir-Nationalpark ist wunderschön. Beinahe sanft. Keine wilde Landschaft. Keine hohen Berge. Eher eine hügelige Art von Tundra, die von vier Vulkanen umgeben ist. Sollten die mal losgehen, dürfte es in der Mitte ungemütlich werden …
Die größte Schlucht Almannagjá zeigt einen schönen Wasserfall der über einen Holzbohlen-Weg zugänglich ist. Ohne Regen wäre dieser Ort vermutlich voller Besucher, aber auch so treffen wir immer wieder auf Menschen, die sich hier umsehen. Hinzu kommen dann noch die obligatorischen Busladungen, die alle paar Minuten vor solchen Orten ausgekippt werden. In der Regel geht das gegen spätestens 10:00 Uhr los.
Sehr interessant ist auch die Silfra-Spalte. Gleich um die Ecke. Ein Teil dieses Parks. Angeblich gibt es hier das klarste Wasser der Welt. Sichtweite unter Wasser? Unglaubliche 120 Meter.
Vor dieser Spalte sammeln sich ebenfalls Wagenladungen voller Touristen. Tauchende. Die haben sogar ein eigenes Verkehrsschild erhalten.

Während wir uns vor Ort umgesehen haben, dürften rund 30 Interessenten auf ihren Unterwasser-Ausflug gewartet haben. Und wir standen nur wenige Minuten an dieser Stelle.
Ein paar Worte zum Abschluss …
Was mir in Island sofort aufgefallen ist? Die unglaublich große Zahl geländegängiger Wagen. Viele davon in Größen, die ich nie zuvor sah. Nicht mal in den USA. Echte Sternenzerstörer der Straße.
Teilweise traten sie in Form von Expeditionsfahrzeugen auf, die so manchen Volkswagen beim Ausparken unbemerkt unter sich begraben hätten.
Manchmal sah man auch beinahe serienmäßige Mercedes-Kastenwagen, die sich erst unterhalb der Gürtellinie von den bekannten Straßenversionen unterschieden. Durch ein vermutlich völlig anderes Fahrgestell, das für enorme Bodenfreiheit sorgt und Platz für grobstollige Breitreifen schafft. Diese waren teilweise so breit, dass man fast nach einem neuen Begriff dafür suchen möchte.
Superlative als Normalfall
Island hat so manche Attraktion zu bieten. Vulkane, Gletscher und Wasserfälle. Gerade von letzteren haben wir dermaßen viele gesehen, dass es jeder Beschreibung spottet.
Die ersten 20 wurden noch mit einem begeisterten „Guck‘ mal, ein Wasserfall, wie schön!“ begrüßt. Die nächsten 20 dann nur noch mit „Wow, ein Wasserfall“ Gefühlt kamen hinter jeder Kurve 3-10 neue Wasserfälle hinzu. Wir guckten gelegentlich noch mal hin, doch unsere Kommentare wurden immer spärlicher.
Wer unterwegs frühstücken möchte, sollte sich die an vielen Tankstellen angeschlossenen Restaurants anschauen. Die Preise sind OK.
Was das isländische Leitungswasser betrifft: krass besser, als das in Hamburg! Von Hamburg nach Island habe ich es nicht gemerkt. Von Island nach Hamburg wäre ich fast umgefallen. Abgestanden und brackig schmeckt es daheim. Ich mag es kaum noch trinken. Unglaublich, dass ich das erst so herum bemerke. Ist vermutlich derselbe Effekt, wie für einen Amerikaner. Die scheinen ihr chloriertes Wasser auch ganz normal zu finden.
Was das Bezahlen im Laden, an der Tankstelle oder auf öffentlichen Klos angeht: alles per Karte. Isländische Kronen? Nie gesehen. Nicht einmal.
Meine letzten Bilder sind zu unterschiedlichen Zeiten entstanden. Mal am Anfang der Reise. Mittendrin. Zum Ende …
















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