Nach der in Hamburg üblichen Kälte, dem Mistwetter und dem außerdem noch anstehenden Ende des kalendarischen Sommers, wollten wir endlich mal Sonne tanken. In Madrid.
Die Wettervorhersage verspricht 36 Grad. In Erwartung derartiger Temperaturen schwanke ich zwischen Vorfreude und Besorgnis. Die schon ausgewählten T-Shirts werden vorsichtshalber gegen dünnere Versionen getauscht. Eine kurze Hose soll nun auch noch mit.
Angesichts der Hamburger Witterung braucht es reichlich Fantasie und Überwindung, echte Sommersachen einzupacken. Und ohne Jacke fliegen? Mir zu gefährlich. Könnte ja sein, dass es doch noch kalt wird!
Entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten habe ich diesmal kaum fotografiert. Ich habe geknipst. Nachlässig. Keins meiner Bilder hat diesen Kurzurlaub überlebt.
Diesmal haben wir kein Auto gebucht. Abtauchen in die Stadt. 7 Tage Bus und Bahn. Mit dem 35-Euro-Touristenticket. Das holen wir noch am Flughafen ab. Direkt vor dem Eingangsbereich zur Metro. Dann die Rolltreppe nach unten. Einmal müssen wir umsteigen, bevor es zu Fuß weitergeht. Ein Ortskundiger hat uns die letzten Schritte ins Ziel geleitet. Gracias! Viel länger hätte ich den schweren Koffer nebst Kameratasche bei dieser Wärme aber auch nicht mehr bewegen mögen.
Kaum vor der Unterkunft angekommen, wird uns der Eingang zum Mehrfamilienhaus geöffnet. 3 Stockwerke höher stehen wir im 2-Zimmer-Appartement vor 1 Frau. Schweißgebadet. 36 Grad haben sich schnell als „heiße Herausforderung“ entpuppt. Unser Empfang fühlt offenbar anders. Sie trägt ein Sweatshirt. Von schwitzen keine Spur. Sie lächelt. Ich auch. Gequält. Im beginnenden Hitzekoller stelle ich mir unsere Begegnung im Hamburger Hochsommer vor. Ich: Bei 17 Grad unter bewölktem Himmel, barfuß im T-Shirt. Sie: Zähne klappernd mit Pelzmantel, Moonboots, Fellmütze und Heißgetränk.
Am Abend gibt es ein heftiges Unwetter. Blitz und Donner im Sekundentakt. Und das Beste: mindestens 10 Grad weniger.
22. August 2015
Wir nehmen die U-Bahn. Mit unserem Ticket geht das super einfach. Vor dem Eingang zur U-Bahn ist der Fahrschein in den dafür vorgesehenen Schlitz einzulegen und eine Armeslänge weiter wieder zu entnehmen. Dabei wird gleichzeitig das Drehkreuz freigegeben.
Madrids Unterwelt liegt vor uns. Es ist wunderbar kühl. Die Züge fahren in sehr kurzen Abständen. Die Bahn ist ein Wurm. Alle Wagons wurden offen miteinander verbunden. Wer am Anfang steht, sieht auch das Ende – falls es nicht gerade in einer Kurve verschwindet.
Kurve … Eine Linie fährt permanent im Kreis und ermöglicht somit den Zugang zu jeder anderen U-Bahn-Linie. Sehr schön gelöst!
Wir gehen in den Retiro-Park. Die Baumkronen sind so dicht, dass man selbst in der größten Mittagshitze angenehm gekühlt unterwegs ist. Irgendwo im Park finden wir einen künstlichen See und machen eine „Dampferfahrt“ mit dem Solarbetriebenen Katamaran. Hier werden wir ab und an von winkenden, kleinen Schildkröten überholt. Unterwegs werde ich gebeten, einen Opa und seine entzückende Enkelin mit einem Smartphone zu fotografieren. Kinder sind hinreißend. Sie werden nur so verdammt schnell groß.
23. August 2015
Mit der U-Bahn geht’s zum Estación de Puerta de Atocha. Hier schauen wir uns eine ehemalige Bahnhofshalle an. Statt Zügen stehen hier nun Palmen. Beinahe wie ein Gewächshaus.
Anschließend nehmen wir den erstbesten Bus und schauen, wohin uns die Reise führt. So gelangen wir an den Tito-Friedhof. Hier steigen wir aus. Friedhöfe sehen wir uns gerne an. Egal, ob in Hamburg, Wien, oder welchem Teil der Welt sonst.
24. August 2015
Fotografie? Liegt irgendwie nicht an. Das Wetter ist gut und das Licht passt auch. Das Problem – wenn es denn eins ist – liegt bei mir. Keine Lust. Ich gucke lieber und stelle mir vor, dass wir hier leben. Wir sind da, wo alle sind. Mitten in Madrid. Unsere Wohnung liegt in einer kleinen Seitenstraße ganz oben. 10 Minuten vom Supermarkt, der U-Bahn und der Bushaltestelle. Vom hinteren Teil der Wohnung sieht man die schrägen Bankia / Realia-Türme. Von der großen Terrasse 3 Türme der „Cuatro Torres Business Area“.
In einer der teuersten Straßen Madrids nehmen wir das billigste Frühstück ein. 5 Euro für „all you can eat“. Der Kaffee ist gut. Das Buffet bietet unter anderem Rührei mit Paprika, Thunfisch, Pizza, in Öl gebadete Spiegeleier. Dosenobst und den Saft daraus in Karaffen. Empfehlen würde ich das nicht, aber immerhin kann hier jeder mit kleinem Budget (oder großem Geiz) in stylisch-minimalistischer Umgebung satt werden.
Als Geschäftsidee gefällt mir das Konzept sehr gut. Man nehme die billigsten Produkte, verwende auch den Saft aus Dosen und biete alles in einfach ausgestatteten, leicht zu reinigenden Räumlichkeiten zu einem vertretbaren Preis an.
25. August 2015
Morgen ist Heimkehr. Wir besuchen den Palacio Real, den königlichen Palast.
26. August 2015
Abreise. Die Sonne geht auf. Zuerst ist es nur ein goldfarbener Streifen am Horizont. Dann werden die wenigen Wolken von unten beleuchtet. Zuerst in dunklem Rot, aber zusehends in Richtung Goldgelb. Diese Farbe zeigen auch die oberen Etagen der Häuser um uns herum. 8:11 Uhr. Mir wird zu warm im T-Shirt.
Wir machen noch einen kurzen Spaziergang. Über die Calle de Bravo Murillo. Schon gewohntes Terrain. Sollten wir irgendwann hierher zurückkehren, wird es wie eine Art Heimkehr sein.
Atmosphärisch stimmt hier alles. Zumindest während „unserer“ 7 Tage und innerhalb der besuchten Orte war die Stimmung immer ausnehmend freundlich und hilfsbereit. Niemals feindselig. Bettler und U-Bahn-Musiker haben zumindest dann Münzen zugesteckt bekommen, wenn ich gerade hinsah. Die Menschen in Madrid haben sich offenbar eine gewisse Solidarität bewahrt. Das gefällt mir.
Mein Fazit? Madrid ist eine wunderbare Stadt. Eine, die uns mit offenen Armen empfangen hat. Gleich am ersten Tag sprach sie zu uns. Ohne Worte, aber leicht zu verstehen.
Schau mich an. Spüre die Sonne und das Leben, das in mir pulsiert. Sanft und stetig. Ohne Hektik. Sei ein Teil davon. So lange du magst.

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