Unsere USA-Reisen haben uns ein Land gezeigt, das mit Deutschland nicht vergleichbar ist. Der Unterschied scheint subtil, doch zwischen Amerikanern und Europäern liegen Welten.
Während die Nationalparks wirklich großartig sind, kann man das von manchen Kleinstädten nicht immer behaupten. Orte wie Ridgecrest, Victorville, Hemet oder Santa Cruz fühlen sich „ungemütlich“ an.
Vielleicht ist genau das der Grund dafür, dass in vielen Orten regelrechte Abschottungen stattfinden. Größere Gebiete mit Häusern wurden durch hohe Wände von den umliegenden, ärmlich ausschauenden Siedlungen getrennt.
Ganz im Gegensatz dazu wurde ich oft von mir völlig fremden Menschen freundlich begrüßt und in Gespräche verwickelt. Fast jeder kann auf deutsche Vorfahren, deutsche Verwandtschaft, oder zumindest „deutsche Erlebnisse“ (Urlaub oder Militärzeit) zurückblicken.
Essen und Trinken
Wir haben im Laufe der Jahre diverse Restaurants besucht. Zufrieden und weniger zufrieden. Am Highway One gab‘s den besten Hamburger, den ich bis heute gegessen habe.
Der Vertrautheit wegen habe ich in den USA regelmäßig einheimische „Spezialitäten“ zu mir genommen. Zum Frühstück gab es fast jeden Morgen „Two scrambled eggs and one smal coffee with two cream, please“. Üblich ist „refill“.
Was ich in Amerika an Lebensmitteln essbaren Dingen sah, hat mich so wenig gereizt, dass ich bei jedem USA-Besuch einige Kilos abgenommen habe.
Bei den Getränken kann man mitunter böse Überraschungen erleben, denn das Wasser scheint dort zum Teil heftig gechlort zu werden.
Unterkünfte
Die von uns aus Deutschland gebuchten Motels entpuppten sich zum Teil als schedderige aber teure Absteigen unterster Kategorie. Manchmal handelte es sich aber auch um erstklassige Dreiraum-Suiten zum kleinen Preis (Las Vegas). Leider ist es sehr schwer, das aus Deutschland zu beurteilen. Auch einschlägige Foren helfen da nicht zuverlässig weiter.
In den schedderigen Unterkünften gab es nahezu immer reichlich Lärm (Fortpflanzungsgeräusche, einparkende Trucks, laute Fernseher, laute Gespräche).
Die Häuser in den meisten Kleinstädten machten einen überraschend „wackeligen“ Eindruck – was auch für zahllose Highways gilt, die zumindest optisch dringend einer Reparatur bedürfen.
Die marode Infrastruktur Amerikas ist für Fotografen längst zu einer Art Markenzeichen geworden. In der Hinsicht findet man Motive ohne Ende.
Zeitfenster
Auf dieser Reise hatten wir von Ort zu Ort oft nur eine Übernachtung. So konnte ich mir die Zeit zum Fotografieren nicht aussuchen. Wer einen entsprechenden Schwerpunkt hat, sollte unbedingt schauen, dass er am gewünschten Ort mindestens zwei Übernachtungen hat – oder (soweit möglich) alles möglichst flexibel bucht.
Und sonst?
Vermutlich kennt jeder die Lieblingslegende der Amerikaner, wenn es darum geht, ihre großartige Nation zu beschreiben. Sie lautet …
Vom Tellerwäscher zum Millionär
Dieser Satz steht wie kein anderer für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, doch wie sich jeder denken kann, ist das nur die halbe Wahrheit. Die andere Seite ist leider nicht ganz so erfreulich, denn wenn man es in den USA nicht geschafft hat, wird es ungemütlich …
Ich sah in den USA innerhalb weniger Tage furchtbare Armut – Menschen, die zwischen den Wolkenkratzern nach Essenresten suchen, die Restaurantgästen die Tür aufhalten und „Take care“ rufen – in der Hoffnung, wenigstens einen Dollar in die Hand gedrückt zu bekommen.
In San Francisco beobachtete ich aus nächster Nähe einen Mann, der aus einem Mülleimer einen Getränkebecher fischte, in dem noch irgendwas drin war. Er hat den ohne zu zögern mit dem Strohhalm (steckte noch) ausgetrunken.
In Hemet sah ich einen alten Mann, den ich auf um die 70 geschätzt habe. Er wirkte reichlich wackelig auf den Beinen, gehörte aber eindeutig zu einer Bauarbeiter-Kolonne, die gerade zum Frühstücken hereinkam (er trank nur einen Kaffee). Ich weiß nicht, welche Aufgabe dieser Mann noch übernehmen muss, aber selbst wenn er den ganzen Tag „nur“ ein Stoppschild hochhält – er muss offensichtlich noch zur Arbeit gehen …
Nach dem Death Valley sind wir durch zahllose kleinere Orte gekommen – wobei Orte im Grunde für Slums steht. Da leben Menschen in „Hütten“, die in Deutschland nicht mal auf einem Abenteuerspielplatz durchgegangen wären.
Unbegrenzte Möglichkeiten beinhalten hier eben nicht nur den Aufstieg zum Millionär, sondern in den allermeisten Fällen den ungebremsten Fall nach ganz unten.
Genau deshalb fragte ich mich oft, ob die überall anzutreffende Freundlichkeit nicht das Resultat einer Maske ist, die schlicht vom Selbsterhaltungstrieb diktiert wird. Wahrscheinlich ist es nur mit einer solchen Maske möglich, im Supermarkt den ganzen Tag Kunden freundlich lächelnd zu begrüßen und wieder zu verabschieden.
Die Alternative heißt hier nicht Sozialhilfe (die gibt es im Leben eines Amerikaners nur insgesamt 5 Jahre), sondern draußen schlafen. Da fällt einem das Lächeln für einen beschissen bezahlten Job doch gleich viel leichter.
Was ich aber auch nie vergessen werde, ist die unglaubliche Weite. Wer in den USA einmal stundenlang durch ein einziges Tal gefahren ist, weiß was ich meine.
Natürlich könnte ich mich auch in Nordfriesland auf einen Deich stellen und dann ganz weit gucken, aber das ist nicht dasselbe. Der Himmel – so scheint es – ist in den USA viel höher, nur zeigt er dir nicht wie klein du bist – er verspricht dir neue Möglichkeiten.

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