Ehrwald

Besuch von einem langjährigen Freund. Wir wollten ein gemeinsames Projekt voranbringen. Irgendwann kamen wir auf das Thema Urlaub. Fortan ging es nur noch darum, wie gerne wir mal in den Bergen Österreichs wandern würden. Torsten meinte dann, dass wir das doch gemeinsam machen könnten. Auf so einen Vorschlag war ich nicht gefasst. Die Idee fand ich aber interessant.

Einige Tage später fand ich die Idee immer noch interessant und in einem Nebensatz erzählte ich meiner Frau davon. Doch während ich meine Gedanken noch kreisen ließ und mich fragte, ob ich das wirklich will, hatte sie den Flug für unsere Söhne, Torsten und mich bereits gebucht …

Nachdem inzwischen auch die Unterkunft reserviert war, haben wir uns überlegt, was wir vor Ort machen wollen. Unser Plan: Täglich mit einer Seilbahn rauf und in den Bergen wandern. Zusätzlich haben wir uns auch noch Paragliden, Mountainbiken, Kanu- und Dampferfahren auf die Ideenliste geschrieben. Insgeheim habe ich mich außerdem intensiv damit beschäftigt, wie ich mein Fotoequipment auf meine Söhne und Torsten verteilen könnte. Alle drei sind extrem kräftig. Da sollte doch was gehen!

Schmerzen bereitete mir etwas anderes. Die Seilbahnen. Im Prinzip habe ich keine Höhenangst. Das ändert sich immer dann, wenn ich mich einer Maschine anvertrauen soll, deren zuverlässiges Funktionieren von Wartungspersonal abhängt, das mir nicht persönlich bekannt ist. Egal ist dabei, ob die Maschine mit Flugzeug oder Seilbahn angesprochen wird.

24. Juni 2016

Heute habe ich eine Liste meiner (vorwiegend fotografischen) Wunschziele angelegt und an alle durchgereicht. Sehen würde ich gern die Gartnerwand, den Heiterwanger See, den Eibsee, den Seebensee, den Fernsteinsee, die Höllentalklamm (da war ich schon mehrmals) und den Almkopf.

Was wir davon zeitlich schaffen, muss man sehen. Paragliden finde ich interessant, aber ich werde garantiert erstmal zusehen und dann entscheiden, ob ich da mitfliege. Auf dem Zettel steht auch noch Sommerrodeln.

Einige Tage vor der Abreise habe ich 32 Gehwegplatten in unseren Garten transportiert und daraus eine neue Terrasse gebaut. Am 1. September waren alle Platten verlegt – und mein Rücken hinüber. Hexenschuss. Bewegt habe ich mich trotzdem. Auf dem Rad. Immer Vollgas. Sehr dick angezogen. Das Ziel? Hitzewallungen. Vorzugsweise im Rücken. Am Abend sind die Schmerzen tatsächlich etwas weniger geworden. Nach der Radtour, einer ausgiebigen Dusche unter heißem Wasser und einer üppigen Medikation.

5. September 2016

4 Männer aus Hamburg treffen im Flughafen München ein. Wir bewegen uns mit großen Koffern auf die Autovermietung zu. Ich hoffe inständig, dass der Wagen (Kombi in der Golf-Klasse) über ausreichend Platz verfügt und genug Reserven in Sachen Zuladung bietet. Zusammen dürften wir auf über 430 Kg kommen. Plus Koffer und Kameraequipment. Einkaufen müssen wir auch noch. Wasserkisten. Das wird lustig. Das weiß ich genau!

Der Mitarbeiterin der Autovermietung genügt ein Blick und schon höre ich: „Ich möchte sie gern auf einen größeren Wagen upgraden.“ Wir erhalten einen Opel Insignia Kombi. Obwohl größer als gebucht, hat auch dieses Auto erhebliche Probleme uns und unser Gepäck aufzunehmen.

Ich setze mich ans Steuer und rolle gemächlich vom Parkplatz. 50 Meter weiter wenige Kilometer später werde ich freundlich (aber nachdrücklich) gebeten, mich nach hinten zu setzen. Auf die Ersatzbank. Neben den Koffer zwischen Torsten und mir.

Dorian übernimmt das Steuer. Zuvor wird das Smartphone mit dem Wagen connected. Fortan geht es mit Vollgas und AC/DC (volle Lautstärke) über die Autobahn gen Österreich. Torsten und ich lachen. In Todesangst. Vor Vergnügen.

Rund 150 Kilometern später treffen wir in Ehrwald ein. Den Einkauf haben wir mangels Platz auf den nächsten Tag verschoben.

Das Hotel macht einen einladenden Eindruck und der Ausblick auf die umliegenden Berge ist fantastisch. Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben, genießen wir auf der Terrasse des Hauses Sonne, Kaffee, Bier, Radler und Whisky-Cola. Es wird spät.

6. September 2016

Frühstück. Wir besprechen unser erstes Reiseziel. Heute soll es auf den Grubigstein-Gipfel gehen. Wir nehmen die Seilbahn und steigen einmal um. Ganz oben stehen wir vor schnell wechselnden Bedingungen. Von blauem Himmel mit warmer Sonne bis hin zu überraschend dichtem Nebel und empfindlich niedrigen Temperaturen. Weiter geht’s bei guter Laune.

Beim anschließenden Aufstieg zu Fuß erkenne ich das wichtigste meiner fotografischen Ziele dieser Reise: die Gartnerwand, auf deren Kante ich entlang wandern wollte … Obwohl das Ziel knapp vor uns liegt, erreichen wir es nicht, denn die Wetterbedingungen verschlechtern sich in kurzer Zeit dermaßen, dass wir umkehren müssen.

Wir essen zu Mittag, „überspringen“ die obere Seilbahnstrecke und gehen zu Fuß nach unten. Leider haben wir uns erheblich verschätzt. Die Wanderung dauert so lange, dass wir die letzte Seilbahn nicht mehr schaffen werden. Glück gehabt: Ein Treckerfahrer nimmt uns auf seinem Anhänger mit. Hier werden wir zwar krass durchgeschüttelt, schaffen es aber 15 Minuten vor Schluss zur Seilbahn-Station und gelangen ins Tal zum Auto. Der Abend klingt dann – wie immer – mit unseren bevorzugten Getränken aus.

7. September 2016

Sonnenschein weckt mich durch die geschlossenen Vorhänge. Aufstehen. Frühstücken. Zugspitze! Ich war eher zurückhaltend begeistert, dass ich mich nun tatsächlich einer 100-Personen-Gondel anvertrauen soll.

Mit dem Auto waren es keine 15 Minuten bis zur Talstation. Der Fahrpreis (rauf und runter): 42 Euro. Zu Beginn „fuhren“ wir angenehm nah über Baumkronen. Das änderte sich allerdings zügig. Der Abstand zum Boden und der Steigungswinkel vergrößerte sich in der Folge in beunruhigendem Ausmaß. Zudem erzeugte jede Seilbahnstütze eine merkliche Schaukelbewegung, die innerhalb der Gondel für hörbares Erschrecken sorgte. Rund 10 Minuten später erreichen wir die Bergstation.

Auf dem Gipfel war es extrem voll. Hatte man sich aber zu einem Aussichtspunkt vorgearbeitet, war der Blick atemberaubend. Ich war dennoch froh, als auch die Abfahrt hinter mir lag. Seilbahn-Fahren in der Höhe, gehört nicht zu meinen bevorzugten Freizeit-Vergnügungen. Mit dem Sessellift und allen anderen Seilbahnen hat’s aber Spaß gebracht!

Nach der Zugspitze haben wir den Heiterwanger See besucht und dort eine Dampferfahrt gekauft. Die haben wir einmal für 2 Stunden unterbrochen, um etwas zu essen und um auf dem Rasen vor dem See zu schlafen.

8. September 2016

An diesem Tag soll es zur Höllentalklamm gehen. Der Zugang ist aus zwei Richtungen möglich. Hammersbach soll etwas dichter liegen. Wir fahren nach Grainau. Der Aufstieg gestaltet sich zu Beginn recht herausfordernd. Später kommt man aber auch gut ohne beschleunigten Herzschlag voran.

Innerhalb der Klamm wird es stellenweise sehr naß. Während ich zu Beginn einige Motive aufgenommen habe, ging es später immer öfter darum, meine nicht gegen Spritzwasser geschützte Kamera einigermaßen trocken zu halten. Mein Rat: Wer die Höllenktalklamm besuchen möchte (kein Räder oder andere sperrige Dinge erlaubt!) sollte sich entsprechend einkleiden.

Anschließend ging es auf die Sommerrodelbahn. Eine gemütliche Fahrt mit dem Sessellift brachte uns auf den Startpunkt. Wie schnell man dann herunterrodeln kann, hängt entscheidend davon ab, wer vor einem fährt. Ich konnte etwa 50 Meter recht zügig fahren und dann nur noch im Schritttempo. Um das zu umgehen, habe ich den Schlitten mehrfach komplett angehalten und einige Zeit gewartet. Richtig schnell wurde es aber nicht mehr. Der Sessellift hat uns allen aber so viel Spaß gebracht, dass wir noch eine Fahrt gekauft haben und einfach nur von unten nach oben und von oben nach unten gefahren sind.

9. September 2016

An diesem Tag haben wir Schloss Neuschwanstein besucht. Schön, aber voll. Wir haben uns eine Auffahrt per Kutsche gegönnt. Echte Pferde und so.

Auf der Rückfahrt zum Hotel sind wir dann noch über die Highline179-Brücke gegangen. Nichts für Leute mit Höhenangst. Ich sah so manchen Besucher, der sich am Geländer festhielt. Man läuft auf einem Gitterrost 114 Meter über die Burgenwelt Ehrenberg und die B179. Die Spannweite liegt bei 403 Metern. Logisch, dass es beim Überqueren auch etwas schaukelt. Ich fand es fantastisch. Es ist wirklich sehr, sehr hoch und man genießt einen Ausblick, der nur schwer zu schlagen ist.

Diese Österreich-Reise hat richtig Spaß gebracht. Da ich von der Statur her das „Nesthäkchen“ war, hat sich schnell ein kleines Rollenspiel entwickelt, das wir bei jeder Gelegenheit öffentlich aufführten. Ich, der Bewährungshelfer und neben mir meine „schweren Jungs“ mit Ausgang. Wenn wir solcherart Gespräche führten, gab es immer wieder den einen oder anderen Blick von Seiten der Nachbarn. Natürlich ganz unauffällig.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert