Neulich in der Stadt. In der S-Bahn ist es mir nicht aufgefallen. Ich hab gelesen. Aber im Zentrum. Lauter Markenklamotten mit Menschen drin. Wie Verkleidete. Werbegestylt. Sonnenbebrillt. Muskelgeshirtet. Ein Markenklamotten-Mob. So krass cool, dass auch die Sonne kein Lächeln in uniforme Gesichter zaubert. Sie bleiben ausdruckslos und irgendwie suchend. Wie auf der Jagd und doch in der Pause.
Und dann die Frauen. Die Aufmerksamkeits-Währung heißt nach wie vor Haut und Kurven. Schön anzusehen? Immer. Woran ich denke? Wie diese oder jene Frau wohl auf einem Foto von mir aussehen würde. Ich fotografiere aber auch gern ältere Semester. Eingravierte Lebenserfahrung und so. Das weiß ich, während ich die Welt ohne Unterlass nach Motiven scanne. Dieser Scan springt an, wenn ich morgens die Augen öffne. Automatisch. Analytisch. Abrakadabra. Auch ohne Kamera.
Dann sind da noch die Autos. Die wurden offenbar für das Hamburger Stadtzentrum gekauft. Je teurer desto besser. Sie fahren mit Absicht im Kreis.
Jungfernstieg. Große Bleichen. Bleichenbrücke. Neuer Wall.
Jungfernstieg. Große Bleichen. Bleichenbrücke …
Bei jeder Gelegenheit heult der Motor auf. Und die Reifen quietschen. Beim Anfahren. Beim Bremsen. Haare und Sonnenbrille dürfen sich aber nicht bewegen. Egal, wie hoch die Fliehkräfte werden. Und das Gesicht darf keine Regung zeigen. Lächeln ist hier verboten. Muskelzucken auch. Das Vorbild? Womöglich gnadenlose Western-, Super-, oder sonstige Helden.
Was ich mich frage? Zeigen ausdruckslos coole Gesichter Mut oder Angst? Zeigen teure Autos Reichtum oder Armut? Vielleicht findet sich die Antwort darauf ja irgendwo zwischen Jungfernstieg. Große Bleichen. Bleichenbrücke. Neuer Wall …

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