Zu gern würde ich Horatio Caine dabei zusehen, wie er mit seinem CSI-Team einen Fall am Strand aufklärt. Sonnenbrille auf. Sonnenbrille ab. Sonnenbrille auf …
Eigentlich wollten wir auf dem Hinweg auch eine Tour durch die Everglades machen. Everglades?
Everglades!
Everglades!
Everglades!
Ein Wort, das mir mindestens eine Woche bei jedem Gespräch auf der Zunge lag. Ich kam nur nicht drauf. Nie. Keine Eselsbrücke half. Immer wieder faselte ich was von der Sumpflandschaft, in der Alligatoren und Krokodile leben. Auf dem Hinweg hat es nicht geklappt.
Die Miami-Beach-Einfahrt ist beeindruckend. Wir kommen über eine Brücke herein. Ungezählte Hochhäuser vor dem Meer. Blauer Himmel. Ein paar Wolkentupfer. Und Pelikane im Formationsflug. Nach einigen Tagen zum Eingewöhnen machen wir einen Ausflug …
Florida Keys
Nach einer extrem herausfordernden Fahrt über mehrstöckige Autobahnen bei Dunkelheit ist es inzwischen 7:59 Uhr. Unser erster Halt gilt einem Supermarkt. Da gibt’s auch Elektrogeräte. Ich brauche einen Rasierer. Mein in Deutschland gekauftes US-Gerät funktioniert im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht. Das ist Logisch.
Wir haben versucht, meinen Kopf mittels Nassrasierer von der „Matte“ zu befreien, sind aber gescheitert. Es hat zwar irgendwie funktioniert, aber sehr lange gedauert. Seit gestern Abend laufe ich arg teilrasiert durch Miami und Umgebung. Rechts über meinem Ohr bin ich – fast wie ausgestanzt – glatt und schier. Der Rest meines Kopfes zeigt mein vergleichsweise langes Haar. Als Teenie hätte ich anders darüber gedacht. Heute ist es mir völlig gleichgültig, was irgendwer über mein Aussehen denkt. Immerhin sind wir hier im „Land of the Free(™)“.
10-15 Minuten vor dem eigentlichen Sonnenaufgang wird es phänomenal schön. Das Licht ist wunderbar weich. In Kombination mit dem Landstrich, den wir gerade durchfahren, könnte ich beinahe durchgängig anhalten und Fotografieren. Geht leider nicht. Anhalten ist hier nicht vorgesehen. Straße und Gehweg werden kilometerweit per Zaun voneinander getrennt. Parkbuchten gibt es auch nicht. Was ich sehe, erinnert landschaftlich an die Niederlande oder Dänemark. Allerdings an im Verfall begriffene Versionen. Alte Tankstellen und teilweise aufgelassene Kleinbetriebe reihen sich aneinander und werden in unheimlich schönes Licht getaucht. Jedes Motiv an dieser Straße würde sich als Titelbild für einen Bildband über Amerika eignen.
Die hier vorgefundene Weite erzeugt in Kombination mit den beschriebenen Gebäuden und dem sich langsam aufhellenden Himmel einen schon ikonischen Look.
Über die Florida Keys zu fahren erfordert reichlich Gleichmut. Man rollt stundenlang über eine lange gerade Straße, die links und rechts an zahllosen Geschäften und dem Meer vorbeiführt. Wir sind bis zum „Bahia Honda State Park“ gefahren und haben an der Calusa Beach gebadet. Muss man das gesehen haben? Nicht wirklich.
12. November 2016 – Die Sache mit der Kreditkarte
Wir wollen Geld aus einem Automaten holen. Die Karte haben wir hier vor zwei Tage erfolgreich benutzt. Diesmal wird sie ohne jede Abfrage eingezogen. Obwohl Geld auf dem Konto liegt. Zuerst glauben wir an einen Fehler, doch egal, welche Taste wir drücken, die Karte sehen wir nicht wieder. Als andere Kunden erfolgreich Geld abheben, wissen wir immerhin, dass hier keine Trickbetrüger am Werk waren. Dennoch wollen wir die Karte vorsichtshalber sperren lassen. Das war aus Miami eine erhebliche Herausforderung. Wir haben das erst am Abend geschafft.
13. November 2016
Miami Beach hat uns längst assimiliert. Wir sind Teil dieser Stadt. Es fühlt sich nicht mehr nach Urlaub an. Wir leben hier. Wir kaufen ein, essen, halten uns in der Wohnung auf und lesen oder reden. Ab und an guckt man mal aus dem Fenster. Wir gehen auch nicht mehr zu jeder Gelegenheit ans Meer. Das können wir auch morgen, oder übermorgen. Konnten … Morgen ist unser letzter ganzer Tag.
14. November 2016
Frühstück. Kaffee. Bank. Da forschen wir nach der verschluckten Kreditkarte. Nur für unser Sicherheitsgefühl.
Die Karte liegt vor, aber wir wollen sie nicht zurück. Stattdessen geben wir sie zur „Vernichtung“ frei. Der Auftrag (Sir, ja Sir!) ist bei den Amis ja in den besten Händen.
Inzwischen haben wir 13:35 Uhr Ortszeit. Unser letzter ganzer Tag in Miami verrinnt unaufhaltsam.
Zurück nach Orlando
Auf der Autobahn reden wir wieder über die Gegend, die mir immer auf der Zunge liegt. Und da bleibt. Da, wo propellergetriebene Sumpfboote fahren und Alligatoren und Krokodile leben. Evergreen? Neverland? Hindukusch? Meine Güte. Das nervt mich total! Ich komme nicht drauf.
Nicht mit nachdenken.
Ins Lenkrad beißen.
Zähne fletschen.
Und nein: Die Everglades bleiben auch an diesem Tag nur eine Idee.
15. November 2016 – Es gibt immer einen letzten Tag
Heute ist Abflug. 19 Uhr geht’s los. In Germany entspricht das 1 Uhr nachts. Um 11 müssen wir aus dem Zimmer. Da es heute regnet, werden wir direkt zum Airport fahren und die restliche Zeit erst in der Wartezone und dann im Flieger absitzen.
21:50 Uhr. Wir sind längst in der Luft. In Hamburg ist es 3:50 Uhr. Die verbleibende Flugzeit: 6 Stunden und 16 Minuten. Argh!
Wir geraten in merkliche Turbulenzen. Ich beschäftige mich mit der Aktualisierung diverser angefangener Beiträge, die irgendwann veröffentlicht werden sollen. Schreiben ist nur noch möglich, indem ich das iPad mit einer Hand festhalte und die andere zum Tippen auflege.
Gefühlt werde ich nie wieder in ein Flugzeug steigen.
Außer in das nach Hamburg.





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