Der Urlaub ist gebucht. Gerade eben. Wir wollen gemeinsam verreisen. Wir, das sind Anjo, Dorian, Torsten und ich. Diesmal keine österreichischen Berge. Das Meer ruft. Auf nach Dänemark. Wir wollen Brandung, Sand und Smørrebrød!
Während der Anreise treiben wir einen schwarzen Mercedes CLS mit 408 PS und einen Land Rover mit 265 PS über die gefühlt endlose Autobahn gen Norden. Beide Fahrzeuge wollen wir vor dem Grenzübertritt bis zum Anschlag mit Futter und Getränken beladen. Auf das wir täglich in einen vollen Kühlschrank schauen können. Ohne nochmal einzukaufen. Das würde unseren Flow stören. Das wollen wir nicht. Einkaufen als No-Go. Wörtlich. Wir wollen nur örtlich.
Unsere Unterkunft? 161 qm Wohnfläche. 100 Meter vom Strand. 4 Schlafzimmer. 2 Bäder. 1 Terrasse. Und WLAN! Im Gegensatz zum TV unverzichtbar.
Ausflugspläne haben wir ich auch: Bulbjerg, Skagen und Rubjerg Knude. Letzteres ist in meinen Augen ein fantastisches Motiv. Ich habe es schon mehrfach aufgenommen, war mit den Ergebnissen jedoch nie zufrieden. Vielleicht klappt es ja in dieser Woche. Ansonsten werden wir uns in der Hauptsache von der Unterkunft zum Strand bewegen. Und wieder zurück. Und wieder zum Strand. Und wieder …
Und dazwischen? Grillen, schlafen und saufen (mehr Mineralien, weniger Cerealien!).
Was diesmal fehlt? Das Publikum! In Österreich hatten wir bei nahezu jeder Gelegenheit dankbare Zuschauer und Zuhörer. Vor allem wenn ich gegenüber den „schweren Jungs“ mal wieder meinen Job als Bewährungshelfer in Erinnerung rufen musste. Da wurden die Ohren gespitzt. Da wurde die Nachbarschaft unauffällig hellhörig.
Was ich auch nicht vergessen habe, sind die gemeinsamen Getränkerunden draußen auf der Hotel-Terrasse – und die legendäre Sicherheit meiner Kameratasche. Als ich mal „ums Eck“ musste, war ich drauf und dran, mein Equipment mitzunehmen.
Ich hörte dann: „Papa, lass die Tasche stehen. Die ist bei uns sicherer als bei dir“. Wenn ich mir die drei 100-Kg-XXL-Kerle dann angesehen habe, wusste ich insgeheim, dass da was dran ist.
Dicht vor der dänischen Grenze verlassen wir die Autobahn und kaufen ein. Für die ganze Woche. An der Kasse macht das 470 Euro und auf dem Parkplatz einen randvollen Land Rover.
Wieder auf der Autobahn. Knapp hinter der dänischen Grenze. Polizeikontrolle. Von vorne höre ich im Chor „Wetten, die winken uns raus?“
Gut geraten dachte ich bei mir, als der Arm des Polizisten auf die Ausfahrt wies. Die Kombination aus tiefgelegtem, breitbereiften, schwarzlackierten Mercedes CLS und den volltätowierten Männern auf den Vordersitzen schien wohl irgendwie verdächtig. Für was auch immer. „Ihre Ausweise bitte!“
„Kein Problem!“ wollte ich vom Rücksitz aus in den Raum stellen, hörte vor mir aber ein „Hab‘ ich nicht dabei.“ Das Überraschungsmoment saß entspannt auf der Beifahrerseite.
Der Polizei-Däne klärte uns in gemischtem Deutsch-Englisch darüber auf, dass wir ohne Ausweis nicht einreisen können.
Dem offenbar verblichenen Schengener Abkommen schickte ich in Gedanken ein „Friede seiner Asche“ hinterher. An dieser Stelle sah ich mich schon wieder zu Hause schlafen. In Hamburg. Auf meinem Lieblingskopfkissen, das ich daheim vergessen hatte. Doch wieder wurde ich überrascht. Meinen Söhnen gelang es offenbar, dem Staatsdiener glaubhaft zu versichern, dass wir keine gewaltbereiten Hamburger sind, die extra nach Dänemark reisen, um hier Straftaten zu begehen. Wir durften weiterfahren. Das taten wir dann auch. 3 Stunden lang. Bei Tempo 120. Ohne Berg und Tal. Immer geradeaus.
So endlos die Strecke schien – irgendwann erreichten wir unser Ziel dann doch. Was nun folgte war (stark verkürzt) Autos ausräumen und Gepäck im Haus verstauen, das mitgebrachte Grill-Equipment zusammenbauen, die Holzkohle entzünden Vogelfleisch und Rind garen und verzehren. Getränke einnehmen. Der Abend klang etwas beschwipst aus.
Der letzte ganze Tag …
Ich möchte doch noch mal los. Es ist 21:31 Uhr. Mein Startpunkt ist der Lild Strand. In Dänemark gewöhnliches Terrain. Doch die Graslandschaft vor mir wird gerade in herrliches Licht getaucht. Genau das möchte ich jetzt sehen.
Von ersten bis zum letzten Foto vergingen fast genau 30 Minuten. Am äußersten Punkt kann man den Kalkfelsen Bulbjerg sehr gut erkennen. Der ist vom Lild Strand (also dem Ort) etwa 6 Kilometer entfernt.








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