Unlängst fuhr ich mal wieder durch den Wald. Auf meinem Bike. Sehr schnell. In eine Kurve. Gewöhnlich ist das hier ein menschenleeres Fleckchen. Heute nicht. Mehrere Dinge passieren gleichzeitig und ich versuche alles richtig zu machen. Vergeblich …
Vor mir nehme ich eine Frau wahr, die mit einem riesigen Wanderstock mitten auf der schmalen Straße steht. Ich verstehe nicht, was sie da macht. Egal. Ich halte mein Tempo. Meine Geschwindigkeit ist so hoch, dass ich an der unbekannten Frau vorbeigezogen bin, bevor ich sie richtig anschauen konnte.
- Ich komme also aus der Kurve heraus.
- Die Bäume am Straßenrand geben die Sicht auf eine weitere Frau vor mir frei.
- Dicht dahinter befindet sich eine „Menschenmenge“.
- Alle starren in meine Richtung.
- Ich sehe einen Ball auf mich zurollen.
- Einfarbig.
- Rot.
Ich kapiere nicht, was hier geschieht, beschließe aber, das Heft des Handelns an mich zu reißen. Offensichtlich haben diese Personen die Kontrolle über den Ball verloren. Bevor die nun ganz weit laufen müssen, stoppe ich den. Bestimmt mache ich ihnen damit eine Freude! Ich bremse elegant und halte den rechten Fuß vor den Ball. Im selben Augenblick höre einen disharmonischen Chor aus vielen Stimmen. Der ruft nur ein Wort und das heißt „Neiiiiiin“.
Zu spät. Der überraschend schwere Ball ist gestoppt. In diesem Moment wäre ich gern teleportiert, nur ließ sich diese Superhelden-Fähigkeit aus Stressgründen nicht aktivieren. Also bin ich mit einem möglichst charmanten Lächeln an den Leuten vorbei. Alle 2 Meter habe ich laut und deutlich mein Bedauern über das Missverständnis signalisiert. Wenige Sekunden später lag die Sache hinter mir. Der Tag und die Tour waren noch nicht zu Ende!
Ich nahm wieder Fahrt auf. Wahnsinn, wie gut sich das anfühlt, die eigene Kraft zu spüren. Über die Grenzen hinausgehen, die durch Ausdauer und Muskeln definiert werden. Fast wie fliegen. Nur rauher.
In diesem Moment sehnte ich mich nach einer Strecke, auf der ich keine Rücksicht nehmen muss. Eine Strecke, die meine Zähne vor Anstrengung zum Knirschen bringt. Die den Fahrtwind an meinen Ohren zu einem Orkan macht. Keine Menschen, keine Tiere, die mir unversehens vors Rad laufen könnten. Das wär’s noch!
Nach rund 30 Minuten komme ich auf meiner gewohnten Schleife auf den ursprünglichen Weg zurück. Da sehe ich plötzlich eine Menschenmenge …
Das gegenseitige Wiedererkennen ließ nicht lange auf sich warten. Ausgepowert und zufrieden, wie ich war, blieb ich bei der Spielgemeinde stehen und bot den Leuten zur Wiedergutmachung ein Gruppenfoto an.
Die Stimmung war beiderseits blendend. Es wurde gescherzt und gelacht. Ich hatte meine Kamera und das optimale Glas (85mm f/1.8) für diese Situation dabei. Die Bilder waren schnell im Kasten. Als es darum ging, an wen ich meine Fotos per Mail durchreichen soll, wurde mir eine Visitenkarte gereicht, die ich ungelesen in meiner Hosentasche verschwinden ließ. Zu Hause beschäftigte ich mich dann erstmal mit den Bildern. Mit den Ergebnissen war ich sehr zufrieden. Die Gruppe stand in einer Zweierreihe vor mir. Ich hatte bei Blende 1.8 fotografiert. Hinter den Frauen und Männern lag alles schön in Unschärfe.
Das Shooting war spontan, aber besser hätte ich es nicht hinbekommen können. Dann sah ich auf die Visitenkarte …
Die stammt vom Geschäftsführer eines „Hauses“, das ich seit langem von innen aufnehmen wollte. Ich habe meine Bilder also durchgereicht, vorsichtig nach einer Fotografie-Erlaubnis gefragt und durfte dann das Shooting machen.
Wie ich es immer wieder sage: Es gibt keine Zufälle!

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